Kirchengeschichte und Architektur

Einige Daten aus der Geschichte der Gemeinde:

5. Juni 1910
Erster katholischer Gottesdienst nach der Reformation, in einem Tanzsaal abgehalten, später in der Aula der Mahlsdorfer Schule.

1. April 1925
Errichtung der Kuratie Mahlsdorf/ Kaulsdorf.

7. Juli 1925
Erwerb des Ausflugslokals „Zum wilden Eber“ (das Grundstück, der heutigen Kirchengemeinde)

22.6.1928
Der Architekt Joseph Bachem entwirft die Pfarrkirche mit Nebengebäuden im Bauhausstil. Dr. Carl Sonnenschein empfiehlt die Namensgebung „St. Martin“.

7. Juli 1929
Grundsteinlegung: Mit Abrißsteinen vom Alexanderplatz, viel Eigenleistung der Gemeinde, 170.000 Mark Spendengeldern und dem persönlichen Einsatz des Pfarrers, der in ganz Deutschland „Bettelpredigten“ hält, entsteht die Kirche.

3. August 1930
Kirchweihe durch Bischof Christian Schreiber nach nur 14 Monaten Bauzeit.

Im zweiten Weltkrieg
Der Pfarrsaal wird zerstört; Kirche, Pfarrhaus, St. Martinsheim (bis vor wenigen Jahren als Altersheim genutzt) beschädigt.

1986
Ein neuer Pfarrsaal kann errichtet werden.

 

Neben den Gemeinderäumen befindet sich auf dem Pfarrgelände seit vielen Jahres auch eine katholische Kindertagesstätte.

Unsere Kirche ist unter das Patronat des heiligen Martin gestellt worden, jenes großen Heiligen, der im Jahr 316 in Ungarn geboren wurde und viele Jahre als Bischof von Tours in Frankreich wirkte. Stets hatte er ein Herz für die Armen und lebte auch selbst in äußerster Bescheidenheit.
Die Geschichte, wie Martin als junger Soldat seinen Mantel mit einem Bettler teilte, kennen sicher die meisten. Auf diese Begebenheit wird auch in der Festschrift zur Kirchweihe am 3. August 1930 Bezug genommen, um das ungewöhnliche Äußere der Kirche zu erklären. Dort heißt es: „Nun steht unsere schöne, neue St. Martinskirche fertig da!" St. Martin ist eine Kirche, die mit modernen Mitteln im neuzeitlichen Stil erbaut ist. Sie verleugnet aber nicht die Tradition, denn mit ihrer dreischiffigen Innen- und ihrer Außenform knüpft sie an die Basilika an. Bei den Beschauern löst sie manches Für und Wider aus – gewiß kein schlechtes Zeichen, denn wo Bewegung ist, ist Leben.
Jeden, der von Mahlsdorf nach Kaulsdorf oder umgekehrt an ihr vorüber kommt, zieht sie in ihren Bann - unwillkürlich geht der Blick hinauf zur hohen, breit auslegenden Turmfassade. Wir stehen heute nicht mehr in mittelalterlicher Zeit himmelhochjauchzender Gotik, jener Zeit, in der die Religion ein und alles war. Wir sind heute in die Verteidigung gedrängt. St. Martin in Kaulsdorf erhebt sich wie ein gewaltiger Ritter: Seine Füße – die Kapellenvorbauten – seine mächtigen Schultern – die breite Turmfassade - sein Haupt – das 7m hohe Kreuz – sein Schwert – der mittlere Turmschlitz – der senkrecht die Fassade teilt. So reckt sich St. Martin an einer der Hauptverkehrsstraßen des Ortes empor und sagt der Umwelt: `Ich stehe hier gepanzert und gewappnet als Vertreter einer fast zweitausendjährigen, christlichen Kultur.´
Für Kunstliebhaber gibt es in der St. Martinskirche einiges Sehenswerte. Neben dem hölzernen Altarkreuz mit Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert sei hier besonders auf den wunderschön geschnitzten Marienaltar aus dem Jahre 1480 hingewiesen. Ein Renaissance-Tabernakel (oberitalienische Mamorarbeit) ziert die Kirche ebenso wie eine süddeutsch-volkstümliche Darstellung des heiligen Martin mit Bettler aus dem 18. Jahrhundert, um hier nur einiges zu erwähnen.
Auch wenn es aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist, dass die Kirche ständig geöffnet bleibt, so kann der Besucher jederzeit im Pfarrhaus klingeln – sei es, um etwas über die Gemeinde zu erfahren, in der Stille des Gotteshauses zu beten oder einfach nur einen Blick in die katholische Pfarrkirche St. Martin zu werfen.


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