Perathonerkreuz

Über dem Hauptaltar befand sich ursprünglich ein raumhohes, aus Ziegeln gemauertes Kreuz, an dem eine überlebensgroße, aus Holz gearbeitete Skulptur des Gekreuzigten hing. Die ausdrucksstarke Christusfigur zeigt einen aus einem einzigen Eichenstamm gehauenen hünenhaften Jesus; farblos, rau, ohne Milde und im Leiden erstarrt. Der expressionistische Korpus wurde als Ungetüm mit etwas Schauerlich-Realistischem empfunden.

 

Der Korpus schien allein durch seine Dimension von vier Metern die Kirche zu sprengen. Vor allem wurde er durch seine Ausdruckswucht zum zwingenden Mittelpunkt. Der katholische Holzkünstler Hans Perathoner aus Südtirol habe die Schrecken des Ersten Weltkrieges, die Gefühle am Rande der Verzweiflung ausdrücken wollen. Kritiker hingegen sahen die Darstellung des Christus als darwinistisch. So erläuterte der Münchener Erzbischof Dr. Michael von Faulhaber einmal in einer Predigt, dass das Perathonerkreuz den Menschen nicht als Ebenbild und Kunstwerk Gottes zeige, sondern vielmehr in gotteslästerlicher Weise den Eindruck vermittle, dass der Mensch vom Affen abstamme.

 

Bischof Schreiber wünschte, das anstoßerregende Kreuz abzuhängen. Es folgte die schriftliche Ermahnung. Einsprüche von Pfarrer Schölzel und vom Kirchenvorstand wurden abgelehnt. Im Januar 1931 wurde das Perathonerkreuz endgültig auf Befehl des Bischofs Schreiber entfernt und in einer Scheune zwischengelagert. Erst nach Kriegsende erhielt die Kirche Sankt Martin ihre zweite, bis heute existierende Altargestaltung: die farbig ornamentierte Mosaikwand von Carl Crodel und das hölzerne Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert. Das umstrittene Kruzifix hängt nun seit 2000 in der Marzahner Kirche Von der Verklärung des Herrn.